Oberfinanzdirektion bietet tierisches Asyl

Wanderfalken nisten über den Köpfen der Finanzverwaltung

Der Wanderfalke ist fast so groß wie ein Bussard und an seinen langen, spitzen Flügeln sowie seinem relativ kurzen Schwanz im Flug recht gut zu erkennen.

Markant sind seine schnellen, kraftvollen Flügelschläge. Dass sich ein solcher Wildvogel seit mehr als einem Jahr auf den Dächern der Koblenzer Oberfinanzdirektion heimisch fühlt und sogar Jungvögel ausgebrütet hat, ist eher ungewöhnlich. Dieser unter Artenschutz stehende Greifvogel jagt überwiegend im freien Luftraum und ist deshalb in fast allen Landschaftsformen zu beobachten - vorzugsweise
über offenem Gelände und an Gewässern mit Vogelreichtum. Nistet er sich jedoch in städtischem Gebiet ein, so brütet er auf hohen Gebäuden, wie im Koblenzer Fall auf dem Dach des 16-stöckigen Bürogebäudes, quasi über den Köpfen der rheinland-pfälzischen Steuer- und Finanzverwaltung. Sonst bevorzugt der Wanderfalke steile Felshänge als Brutort, seltener auch verlassene Horste von anderen Greifvögeln.

Die Jagdweise des Wanderfalken ist überaus spektakulär: Er jagt ausschließlich fliegende Vögel im freien Luftraum - entweder von einer Ansitzwarte aus oder aus hohem Kreisflug heraus. Bei seinen Sturzflügen kann er dabei konkurrenzlose Spitzengeschwindigkeiten über 300km/h erreichen. Das Beutespektrum reicht von zahlreichen Kleinvogelarten bis zu mittelgroßen Arten und ist je nach örtlichem Angebot der Koblenzer “Speisekarte” verschieden. Zu seiner bevorzugten Beute zählt jedoch die Haus- bzw. Stadttaube. Die Partner eines Paares jagen im Winter gelegentlich gemeinsam in sog. Kompaniejagd, was sich vom Parkplatz des Finanzamtes aus in dieser Jahreszeit an manchen Tagen gut beobachten lässt.


Wanderfalken brüten einmal im Jahr ab Ende Februar, meistens Mitte März, spätestens im April. Das Weibchen legt bis zu vier Eier. Die Brutdauer beträgt 28 - 32 Tage.

Während der Brut und in den ersten Tagen nach Schlüpfen der Jungen wird das Weibchen vom Partner, mit dem es meist ein Leben lang zusammen bleibt, mit Futter versorgt. Etwa 10 Tage lang werden die Jungen vom Weibchen umsorgt. Nach etwa 40tägigen Nestaufenthalt fliegen die Jungvögel zwischen Ende Mai und Anfang Juni zum ersten Mal aus. Bevor die Jungen völlig selbständig sind, folgt eine drei- bis vierwöchige Bettelflugperiode in der Nähe des Horstes.

Der Wanderfalke erreicht ein Höchstalter von 17 Jahren in der freien Natur und von 21 Jahren in Gefangenschaft.

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